Read Luther: Leben und Wirkung by Friedrich Schorlemmer Online

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Zweifler, Ketzer, ReformatorMartin Luther war ein im Glauben verwurzelter Mensch, rebellisch als von seinem Gewissen geleiteter Einzelner, unerschrocken aus Fr hlichkeit Er war ein Kirchen und Sozialreformer, mit seiner Bibel bersetzung wurde er zum Sprachsch pfer Friedrich Schorlemmer beschreibt Luthers faszinierende Pers nlichkeit in all ihren Facetten den unbeugsamen M nch, den streitbaren Publizisten, den begnadeten Prediger, treusorgenden Freund, Ehemann und Hausvater Und er zeigt, wie viel Erkenntnis, Trost und Ermutigung wir aus Luthers Schriften bis heute sch pfen k nnen....

Title : Luther: Leben und Wirkung
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ISBN : 9783746632810
ISBN13 : 978-3746632810
Format Type : EPub
Language : Deutsch
Publisher : Aufbau Taschenbuch Auflage 2 17 Februar 2017
Number of Pages : 380 Seiten
File Size : 963 KB
Status : Available For Download
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Luther: Leben und Wirkung Reviews

  • oberlausitzer
    2018-11-10 11:58

    Ich habe mit dies Büchlein zu Luther zugelegt, weil wir im Lutherjahr leben und man sich belesen will zum Theman. Schorlemmers Büchlein ist in weiten Breiten recht langatmig, ich hab mich dabei erwischt, dass ich zeitweise Seiten überspringe. Ansonsten, vor allem für den nicht Germanisten, der ins Thema einsteigt, gut zu lesen.

  • Sonnenwind
    2018-11-11 03:33

    Friedrich Schorlemmer hat als Prediger an der Schloßkirche zu Wittenberg und als geborener Thüringer den größtmöglichen Einblick in die Umgebung und die Hintergründe zur Person Luthers und der Reformation. Dementsprechend liefert er eine ausgesprochen gründliche Untersuchung über diesen höchst wichtigen Abschnitt der Kirchengeschichte. Wer die Reformation verstehen und die Hintergründe erfahren möchte, ist mit diesem Buch bestens beraten.Zuerst fällt die Sprache wohltuend auf: Keine moderne, von Politikern verordnete künstliche Rechtschreibung, sondern gewachsene Sprache, die der Autor virtuos anzuwenden weiß. Ebenso der Inhalt: Welche Fragen man auch immer in die Lektüre mitgebracht haben mag – hier werden sie beantwortet. Im Grunde ist der Inhalt dieses Buches wie eine Vorlesungsreihe im Fach Kirchengeschichte: Die Person Luthers wird mit allen Facetten deutlich, sowohl sein kindlich-reines Gottvertrauen, seine Ängste wegen seiner Sünden als auch seine Ausbrüche gegen die Juden, seine persönlichen Fragen und auch die Antworten, die er bei seinem Herrgott fand.Wir begleiten Luther von seiner Kindheit in Eisleben über die Zeit im Kloster bis zum großen Umbruch der Befreiung der Kirche aus den Fesseln des Papsttums und dann weiter die Entwicklung der jungen Kirche, die eigentlich nie geplant war, über Luthers gesamten Lebensweg.Die Wandlung in der Person Luthers wird deutlich, wenn man mitverfolgt, wie er an seiner eigenen Person verzweifelt, mit Buße Gottes Wohlgefallen zu verdienen sucht und daran scheitert, dann aber die Erlösung, die Jesus Christus auf Golgatha erworben hat, an sich selbst erlebt, frei wird und anderen den Weg in die Freiheit zeigt.Luthers Kampf für die Wahrheit zu verfolgen, ist eine wirklich spannende Angelegenheit. Zum Beispiel die Zivilcourage ist ein Thema, das direkt auf Luther zurückgeht. Die evangelische Sicht auf das Verhalten des Christen ist völlig anders als die katholische: Ein Katholik verhält sich innerhalb seiner Kirche korrekt, wenn er gehorsam ist. In der evangelischen Kirche ist eine solche Haltung undenkbar. Der evangelische Christ ist gefordert, sich seine Haltung gegenüber seiner Umwelt aus der Bibel und im Gebet zu erarbeiten und dann dazu zu stehen. Man kann also kein echter evangelischer Christ sein, ohne eine Beziehung zu Jesus Christus, dem HERRN, zu haben und täglich in der Schrift zu forschen. Ohne Bibelkenntnis ist ein evangelischer Christ nicht denkbar.Eins der größten Verdienste Luthers ist zweifellos die Übersetzung der Bibel. Sie war nicht die erste Übersetzung ins Deutsche, aber die am weitesten verbreitete. Mit dem Text hat er sich viel Mühe gegeben, obwohl natürlich auch einige Schnitzer passiert sind. So hat er nicht alle vorliegenden Urschriften beachtet und somit nicht die ganze Fülle der Informationen aufgenommen. Trotzdem ist seine Übersetzung für das Volk eine Quelle der Kraft geworden, denn nicht nur die philologisch gebildeten Gläubigen konnten sich nun damit beschäftigen, sondern jedermann. Den Wert davon kann man gar nicht hoch genug ansetzen.Anfangs glaubte Luther, wenn er den Messias und seine Aussagen deutlich macht, würden die Juden ihm in Scharen zulaufen. Als sich das nicht erfüllte, war er frustriert und hat sich in seinen menschlichen Gefühlen zu einigen Aussagen hinreißen lassen, die man nicht akzeptieren kann. Auch ein Reformator hat schwache Seiten, wie im Buch auch deutlich wird und das Bild abrundet.Auch Luthers Weggefährten kommen zur Sprache. So ist Melanchthon als Mitkämpfer ein größerer Teil des Textes gewidmet. Er brachte es fertig, sowohl Luthers als auch Erasmus' Freund zu sein, obwohl diese beiden regelrechte Gegensätze verkörpern. Aber eine Bewegung braucht verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Begabungen. In der Reformation waren alle vertreten.Am Ende folgt noch eine Beschreibung der Auswirkungen, der Spuren, die Luther und sein Werk bis in die heutige Zeit hinterlassen haben.Gut gemacht fand ich auch die Fragen am Ende des Buches: Unsere modernen Probleme werden mit Worten und Aussagen Luthers beantwortet, und man wundert sich, wie treffend Luther schon Maßstäbe und Richtlinien formuliert hat.Luther mochte die Diskussionen nicht: „Das weiß ich gewiß, daß wenn ich den Unrat bekämpfe, mag ich siegen oder besiegt werden, ich immer beschmutzt werde“ (S. 210). Das ist ein wahres Wort. Wenn man sich mehr daran halten würde, wäre das Leben einfacher. Dennoch kann man solche Situationen nicht umgehen. Auch heute müssen wir für die Wahrheit einstehen. Die Richtschnur des Evangeliums ist auch heute noch für jeden verbindlich.Sein ganzes Leben und seine ganze Kraft investierte Luther in sein Lebenswerk. Und er schuf die Basis für eine moderne Gesellschaft, in der Bildung hochgeschätzt und Forschung ehrenwert ist. Unser Leben heute wäre ohne Luther und die Reformation nicht vorstellbar. Dieses Buch liefert eine hervorragende Grundlage, um Luther und seine Zeit genauso zu verstehen wie ihre Auswirkungen auf unsere heutige Gesellschaft. Ein Buch, das man gelesen haben sollte!

  • Fricke Hartmut
    2018-10-22 11:54

    Es ist leider Geschmackssache. Vor 2 oder 3 Jahren habe ich eine Biografie über seine Frau gelesen. Darin wurde auch das Leben und sein Werken beschrieben. Ich war davon vollkommen begeistert. Ein erstklassiges Buch. Von diesem Buch bin ich leider doch etwas enttäuscht. Eigentlich schade. Ich lese ehrlich sehr gerne Biografien.

  • Wolfgang Müller
    2018-11-16 10:38

    Sind wir doch mal ehrlich. Ausnahmsweise. Wenigstens zu uns selber. Dann müssen wir doch zugeben, wenn dieser unser Martin Luther (Lut.) schon so übermächtig in der Luft liegt, doch möglichst etwas Klarsichtiges aus der hochgeschäftigen Angebotsfülle zu lesen, also von Friedrich Schorlemmer, dem Prediger in der Schlosskirche der Luther-Stadt Wittenberg (!) Dem Theologen, dem Publizisten, dem vielfach Ausgezeichneten, der seinen Lut. durch und durch kennt, Wittenberger Lutherstimmung nicht erst seit 2017 atmet, den Dialog lebt und einem in einem Vortrag über Hermann Hesse freundlich anschaut. Ja, mit Literatur und Sprache hat der 73jährige merklich was am Hut, denn -zig gereifte Schriftstellerjahre fließen in dieses gedankenreiche Buch, das auch auf das Heute lenkt.Na ja, diesen kleinen Störpunkt, diese, sagen wir, unnötigen Bemerkungen über Papst Benedikt habe ich bereits vergessen. Dass ausgerechnet katholische Freunde in mir einen Samen der Inspiration legten, so dass aus einer geistlichen Todgeburt zumindest ein Interessierter wurde, dafür kann ich nichts, ebenso wenig, dass gerade Papst Benedikt wie kaum ein anderer in mir so eine Art Leuchtspur hinterlassen hat. Ob der Autor das einem Protestanten wohl verzeiht? Ich meine bei ihm ein leicht spitzmündiges tiefes Luftholen mit einem anschließenden "Öhmm" zu vernehmen (eine Verzögerungstaktik bei öffentlichen Äußerungen aus noch verfänglichen DDR-Zeiten, um sich zur nächsten staats-kompatiblen Satzfügung durchzuringen). Die Antwort also nun rein bibel-kompatibel: "Öhmm, wohl nicht aus eigener Kraft. Öhmm, wohl aber mit Gottes Hilfe".F. Schorlemmer gibt uns zunächst einen wertenden Überblick über Lut.s Leben und Denken:Lut.s Mut in Worms wird zum Leuchtfeuer für das Subjekt-Werden des Einzelnen, wird Reform-Impuls für die Christenheit: Die angeschlagenen 95 Thesen des Augustinermönchs aus dem Provinznest hallen durch halb Europa, weil Rom mit der Fegefeuerangst habsüchtig Geld für den Petersdom eintreibt. Durch einen quälenden Erkenntnisprozess löst er sich vom angstmachenden Gott-Vater. Allein aus Gnade glauben durch Christus mit der Schrift, Gott ist uns gut, Zuspruch geht vor Anspruch. Lut., sinnenfroh, gradlinig, aber auch widersprüchlich, hat's mit Diabolus, dem Zweifler, Durcheinanderbringer und Traurigmacher: "Dass der böse Feind keine Macht an mir finde". Hilft nichts mehr, dann musiziere, vor Fröhlichkeit flieht er davon.Polemik mit Rom, das missbräuchliche Angstgeschäft, sich Wohlwollen zu kaufen. Die Bibel ist der Maßstab, keine höheren Würden als Getauftsein, Rangabzeichen gelten nicht, Gott kann an jedem Großes tun. Der von einer Zustimmungswoge getragene Wormser Reichstag macht Geschichte, entfacht ein Befreiungsfreudenfeuer, der Christ ist freigesprochen, aber wohltätig für seinen Nächsten zuständig. Lut. übersetzt das NT in nur 11 Wochen, anrührend und sprachlich bildend. Der Christ soll mitbestimmen, unterscheiden lernen. Oder sollen grobe Flegel regieren, über die gesetzt, die nicht nachdenken? (Anm.: an wen denken Sie gerade?).Eltern sollten ihren Kindern Kartenspielen beibringen, musizieren, tanzen, lesen, schreiben, Sprache, Mathematik ohne Angst und Prügel. Lut. nimmt sich die selbstbewusste Nonne Katharina von Bora. In vorbildlicher Ehe mit 6 Kindern erleben sie Glück und Verlust.Seine legendären Tischgespräche füllen 10 Bände, Lut. hat einen Sprüche-Faible: "Lass jeden sein, der er ist, und bleib, der du bist". 2500 erhaltene Briefe zeigen den ganzen fröhlichen und bitteren Lut. - schwerbegreiflich, die Entgleisungen gegen die Juden, Gewaltaufrufe gegen aufständige Bauern, Ausfälle gegen Rom. Er verantwortet eine Bürde in der lutherischen Glaubenstradition. Am 20. Juli 1944 legt ihm ein ev. Pfarrer einen tröstlichen Satz in den Mund: Pflanze heute ein Apfelbäumchen, wenn morgen die Welt untergeht.Dazu ein paar Schlüsselsätze aus den Kapiteln:Eine bedrückende Weltstimmung treibt Lut. in die "Möncherei" - Er entdeckt, Zuspruch geht vor Anspruch - Lut. wird hineingerissen in den Kampf - Die Welt bedurfte eines Einschnitts, bedurfte eines solchen Mannes - Heute wäre es nicht mehr zur Kirchenspaltung gekommen - In Lut. bündelt sich der Widerstand des Volkes - Lodern soll eigentlich der Geist Gottes, nicht die Androhungsbulle des Papstes im Feuer - Der Papst erklärt Lut. für "vogelfrei" und verboten - Zivilcourage durch Gewissensbindung geht auf Lut. zurück - Lut.s Glaubensverständnis müht sich um Toleranz (doch auch er verurteilt seine Gegner in eigenen Reihen) - Lut. heiratet die klosterflüchtige Katharina von Bora - Jeder steht für sich und bereite sich und lasse sich verändern - Ausräumende Irrtümer und Erkenntnis kommt im Dialog mit anderen Gelehrten und dem Volk - Uni-Berufung von Lut. und Melanchton.: In der Kunst des Dialogs Gott miteinander bekannt machen - Lut. verurteilt den Bauernkrieg - Die friedliche Revolution in der DDR 89/90 verdankt sich auch den Quellen Lut.s - Ein Provinznest wird zum Rom des Protestantismus - Doch die Geister, die er rief, missbrauchen die neue Gerechtigkeit, eigennützig und undankbar wie die Welt - Gott, Herr des Lebens, sendet seinen Sohn, den Stachel des Todes zu zerbrechen - Wir sind mit den Waffen des Glaubens in den Kampf gestellt, um zu siegen - Die Buchdruck-Revolution ermöglicht die Reformation. Was macht die digitale Revolution aus uns? - Theologe Emser verteufelt Lut., lockt ihn in die Ketzer-Falle, es folgt ein gehässiger "triebüberschüssiger" Briefwechsel zwischen Lut. dem Kath. Theologen E. und dem Päpstlichen Hoftheologen P. - Im Gehorsamsgebot lutherisch geprägter Länder ist keine Rede mehr von der Obrigkeit Untertan - Der reformatorische Gemeinkasten wird Vorbild für die Sozialordnung demokratischer Staaten - Bildung garantiert Recht und Frieden - Erhebet die Niedrigen: Gott macht aus Geringem etwas Köstliches - In den 2.500 Briefen Lut.s geht es u.a über Gott, den rechten Glauben und gesellschaftliche Mißstände - Seine Schreibfeder ist ihm die "Kaiserin" in den Kämpfen - Christlich leben ist Werden. Ist Umkehr, Veränderung, Übung auf dem Weg zur Besserung, Getragensein, Grundvertrauen zu dem, der die Welt überwunden hat. Rüttelt man am Erkenntnisbaum der Hl. Schrift, fällt immer eine Frucht herab.Und jetzt. Meine 5-Beste-Themen-Liste:Platz 5Ein würdig' Lutherjahr 1983 - Die SED und die FriedensbewegungDas in ihrer Endphase erstarrte SED-Politbüro beansprucht Lut.s progressives Erbe als humanitätsbefördernder Aufklärungs-Vorbote, als sozialistischen Nationalkult, lässt eine hist.-wissensch. Ehrung mit Diskussionen durchführen, wenn auch artistisch zurechtgebogen, hebt aber auch erstmals die Kirche als "friedensstabilisierend" oder das ev. Pfarrhaus als "bildungskulturelle Pflegestätte" hervor.Im Abschlussgottesdienst hoffen wir, dass der Friedensgott Haus und Land schütze, dass wir Hände öffnen und nicht Fäuste ballen, dem Herrn mit den ausgebreiteten Armen vertrauen. Wir dürfen nicht stumm werden. In Wittenberg werden Waffen zu Pflugscharen umgeschmiedet (vgl. Prophet Mischa 4,3) symbolisch für Brot und Frieden. Wir führen einen fiktiven Dialog mit Lut. und Melanchton, grenzüberschreitend gegen die Militarisierungs-Vorantreiber, kirchliche Basisgruppen sagen unerschrocken und friedlich Nötiges und Fälliges. Die gewaltlose Revolution 6 Jahre danach wird Lut.s Vorstellung entsprechen.Es gibt ein ideologiereduziertes Lut.-Ausstellungskonzept im weltgrößten reformationshist. Museum, einen 5-teiligen Lut.-TV-Film und eine originalgetreue Nachbildung der Lutherbibel, zu der F. Führmann ein Essay liefert als besten Verständnis-Schlüssel: Urvertrautes fällt mit Wahrem zusammen, Geborgenheit in Sinn und Ordnung, Gerechtigkeit in Lohn und Sühne, das Schöne des Guten, das Heillose des Bösen - mein Leben kommt zur Sprache.Es ist ein würdiges Lutherjahr 1983, die Magdeburger Kirchensynode spricht sich für Friedensdienst statt Wehrdienst aus, Honecker bezeichnet immerhin die Pershing II als Teufelszeug, die Stationierung in Europa als Selbstmord. Und er trifft u.a F.J. Strauß, der der klammen DDR einen Milliarrrrrdenkredit verschafft (Anm.: Ja songs amoe, wos isn dees? Damit die Wiedervereinigung später nicht mehr so teuer wird ??)Die Rockgruppe BAP darf nicht einreisen, weil Zensurgenossen durch den Kölner Dialekt verspätet den Bezug der Umschmiede-Aktion entdecken: "Wir haben Freunde hier, die haben 'nen Schmied, der macht ein Schwert zu 'nem Pflug, die haben vom Rüstungsschwachsinn so wie wir genug". Auch Udo Lindenberg nimmt im Republikpalast auf seine Art den Rüstungsscheiß aufs Korn.Lut. schärfte sinngemäß ein: Lauf dem Frieden nach! Denn du wirst bewegt, Böses mit Bösem zu vergelten.Platz 4Voraussetzungen des Übersetzens und WirkungenBleibe im Lande und nähre dich redlich... dies Jammertal... ein Herz und eine Seele... Redewendungen, ohne den Ursprungszusammenhang und Hintersinn zu kennen, sprechen wir funktional verflacht wie eine Bierbestellung.Sprache macht uns zum Menschen, jeder kann sich in der Biblia selbst erkennen, Leben schöpfen, und doch sehen wir wie in einen dunklen Spiegel, Undeutbares bleibt.Jede gefällige Revision schleift Lebendiges ab. Aus dem verhedderten Paulus wird ein akurater Arbeiter Gottes. Obwohl moderne Übersetzungen sachlich richtig sind, meint die ursprüngliche Übersetzung mehr. "Fördere das Werk unserer Hände" drückt lebensumfassendes Tun aus, nicht nur "Lass unsere Arbeit gelingen". Lut. erkennt den Tiefensinn der Vokale: "Er nahm das Brot, dankte, brach's, gab's seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset...". A-Vokale drücken Erhabenheit aus, nehmet, esset gehört zum Sprachrhythmus. Es gelte, Vergangenes in die eigene Zeit zu bringen, Goethe sagt: "Der treffliche Lut. fördert damit die Religion mehr als das Original nachzubeten".Mit geübten Sinnen, ertüftelt oder inspiriert, manchmal wochenlang nach dem richtigen Wort suchend, findet er zu Herzen gehende Sätze, lebendige Zurufe an den Leser, überspringende Lebensfunken, um die Größe der Vorlage zu spiegeln, verbindet Latein, Griechisch und Häbräisch, ein Konglomerat (Gemisch) an Bedeutungsvielfalt ohnegleichen.Supercooles Wetter, cool = gut, für gut haben wir 150 Wörter: lohnend, vorteilhaft, förderlich, fein, vortrefflich... (S. 123).Platz 3Geistes- und kulturgeschichtliche WirkungenFür deutsche Denker ist Lut. eine Identifikationsfigur mit erfreulichen und unerfreulichen Wirkungen in 500 Jahren seiner Freiheitsbotschaft. Hier eine Auswahl:G. E. Lessing lobt die Befreiung aus dem Joch der Tradition.J. G. Herder: Lut. weckt die deutsche Sprache auf, ist Mitreformer des jetzt aufgeklärten Europas.J. W. v. Goethe: Er befreit das Herz, macht es liebesfähiger. Möge unser Geist sich geistlich und wissenschaftlich erweitern, über die Hoheit des Evangeliums wird er nicht herankommen.F. Schiller: Freiheit der Vernunft, ein Motiv innerer Unabhängigkeit, doch sollten nur jene Macht ausüben, die anderen Freiheit lassen. Schiller ist skeptisch gegen Stimmungs- und Stimmen-Demokratie. Mehrheit ist Unsinn, Verstand nur bei wenigen. (Anm.: An was denken Sie gerade?).F. Hegel: Gemütskraft eint sich mit Erkenntnisschärfe. Gott als Handlungsquelle macht sich in meinem Herzen geltend.H. Heine preist irdischen Glücksgenuss. In seinem qualvollen Lebensende hinterlässt er Hellsichtiges, kehrt um zu den Geschöpfen des Höchsten: "Lut., so ursprünglich, so unbegreiflich, so gottberauscht, rettet unsere Gewissensfreiheit".J. Grimm will Lut.s Sprachreinheit bewahren, der längst Schriftsteller kath. Glaubens überwältigt.K. Marx meint, der Mensch sei das Höchste - was Philosophen und Politführer motiviert. Schwer begreiflich, warum Theologen sich dem Verteidiger dieser plumpen "Religion als Opium gegen eine herzlose Welt" nicht energisch stellten. Marx betont, gesellschaftliches Bewusstsein verändere die Wirklichkeit, anders Lut.: Vom Erlösten gehe Erlösung aus, vom Friedfertigen Frieden; handle danach, v.a, bist du selber "an der Macht". Aufständige neigen zu praktizieren, wogegen sie angetreten sind.I. v. Döllinger, kath. Theologe misst Lut. zu, ein wahrer Religionsstifter zu sein.A. v. Harnack, einflussreicher liberaler Theologe: Der Druck ist überwunden. Gott hat sein vergebendes Herz in Christus aufgetan. Wir haben Gott nicht mehr zu bieten als Vertrauen.Th. Mann über falsch verstandenen Obrigkeitsgehorsam: Mündige selbstbestimmte Völker? Was für ein Selbstbetrug! Sie beweisen nirgens ein Freiheitsverständnis ohne Strafgesetz und Polizei. Die Reformation emanzipiert die Laien, aber der Deutsche ersehnt die Monarchie. Unbegreiflich, sich dem Anstreicher aus Braunau zu unterwerfen. Verlogen, rachsüchtig mit sprachverhunztem Hassgebrüll, eine abstoßende Unnatur defekter Menschlichkeit.G. Dehn, unter Hitler ein klarsichtiger, sozialistischer, kriegsdienstverweigerungsbefürwortender Theologe fragt: Darf man Soldaten als Mörder bezeichnen? Soldatentod sei nicht gleich christlicher Opfertod. Etwas streng Verbotenes werde Pflicht auf Schlachtfeld-Arealen? DDR-Kirchen der 80er sprechen sich gegen die Logik der Abschreckung aus und fordern schulische Friedens-Erziehung, denn Anpassung wächst schneller als Widerstand.D. Bonhoeffer, beteiligt am Mord eines Tyrannen (Anm: als Wahl des kleineren Übels), bewährt sich klarsichtig in gehorsamer Zivilcourage gegen die völkische Ordnungsideologie, welche die deutsche Unterordnungsbereitschaft zum Bösen missbraucht. Das uns als gnädiger Ruf treffende Gotteswort fordert das freie Glaubenswagnis zur verantwortlichen Tat. Diese Verbindlichkeit kann zur existenziellen Zerreißprobe werden. Bonhoeffer wird auf regimetreuen Richtergeheiß im April 1945 gehängt. Das dient vielen zur Erdung theologischer Höhenflüge.W. Jens, Germanist und Rhetorikprof: Lut. ist eine Ausnahme-Persönlichkeit. Es gehe darum, eine Position zu finden. Das Bibelwort sei existenziell. So bringt sich Lut. mit eigener Seelenerforschung und Erfahrung und eigenen Anfechtungen mit dem "Pfahl im Fleisch" persönlich ein.W. Kardinal Kasper: Wir streben eine universelle Kirche für den Weltfrieden an. "Ich kann nicht anders" meint, aufrichtig sein gegenüber kirchlicher und politischer Autorität als ein zwar tief ambivalenter, aber in Gottes Wort gehaltener Mensch, nicht als ein humanistischer, der sich in der Neuzeit immer mehr durchsetzt, der illusorisch meint, sein Heil selbständig zu erlangen.M. Luther selbst: Das Herrschaftsinstrument Privateigentum dient nicht dem Gemeinwohl, Reichtumsfaszination ersäuft in Habsucht: Wir überleben nur, hinterlassen wir die Erde verbessert und nachhaltig. "Religiös" stimulierter Terror, so Schorlemmer, ist heute eine Herausforderung zu einem erneuten Zivilisationsbruch. Lut. sagt, man kann an Christus eine neue Kreatur werden. Es sei Knechtschaft, sich an Geld und Gut zu binden und zum Gott zu machen, es sei Gnade, was ich bin mit meiner Gabe, wir sollen Gutes tun, ein Kanal sein, wodurch ER alles gibt. Leben ist verdankt und aufgetragen, Gott=gut=Güte, überfließender Brunnquell, durch ihn sind wir getragen, orientiert, demütig, selbstgewiss und mitverantwortlch und nicht (wie Marx meint) unterwürfig.Platz 2Dem bösen Feind keine MachtDer junge Martin Lut. erlebt sich angstvoll, meint sich Gottes Zuwendung verdienen zu müssen bis er den Durchbruch der Freiheitserkenntnis erlebt: Ich bin geliebt und darf frei entscheidend das Rechte tun ohne Angst und Fesseln der Vergangenheit. So bleibt Lut. befreiter Befreier und getrösteter Tröster 500 Jahre seither.Am 2. Juli 1505 schreit er seine Angst in das gewaltige nächtliche Blitzgewitter und deutet es als persönlichen Gottesruf. Die ihn fast umbringende Gewissenspein gilt es durch Vertrauen in Gott zu überwinden, dieser "festen Burg", in der er Bergung und Kraft findet.Das Böse kommt in listigen Verkleidungen, aber Jesus hat die Welt für uns überwunden und ermöglicht ein getrostes Leben, in der Gott kein angstmachendes Über-Ich ist, sondern herzlich zugewandtes Du.Psychoanalytiker Erik Erikson vergleicht Lut. mit Freud als Tiefen-Arbeiter. Der autonome Gehorsam versetzt in Freiheit, Lut. quält der Zwiespalt des Gehorsams gegen seinen gestrengen Vater und dem himmlischen Vater, so tief empfindend kann er sich ehrlich darüber äußern. Er lebt in einem Zeitalter der Angst, die Eltern züchten ihrem Sohn ein "erschrockenes Gemüt" an, sind hart, sparsam, abergläubig, die Schule eintönig, grausam, die Kirche beschäftigt sich mit dem Jüngsten Gericht, seine schuldbedrückte Weltstimmung wächst, treibt ihn in die "Möncherei".Diabolus, der Herr des Todes, bösartig, hinterhältig, herunterziehend, arglistig, will uns verwirren, beschweren, verbittern, Christus entfremden. Wirft vor, plagt, emotionalisiert (mit geringer Sprachbegabung), Menschenmassen hinter sich zu bringen (woran denken Sie?), macht vergessen, was das Leben Gutes an uns getan, fechtet an, betört die Sinne, verkehrt den Geist zu falschen Lehren, zeigt uns nicht den ganzen Christus, lässt ihn uns als tyrannischen Richter erscheinen, vor dem wir uns entsetzen wie vor Luzifer selbst. Oder macht aus dem Evangelium ein Gesetz, lässt uns lästerlich fragen, ob Gott alle Sünder verwirft, gibt einen falschen Schein, einen falschen Christus.Gott, gnädig, befreiend, erhebt das Niedrige (wie die Magt Maria), sendet seinen Sohn, den Sünder zu trösten, als Auferstandener das Teufelswerk zu zerstören, den Stachel desTodes zu zerbrechen, er triumphiert und tilgt die Sünden der Gläubigen.Wir, durch Gott erlöst, gelöst, sind in den Kampf gestellt durch die im Glauben ergriffene Waffe des Schriftwortes, des Teufels Übeltaten zu besiegen, kämpfen zwischen Gut und Böse, durchschauen ihn und halten heftig dagegen, wehren ihm mit göttlichen Worten und gottseliger Gesellschaft. "Die christliche Freude sei des Glaubens Doktorhut".Da wir scheitern, aus eigener Kraft mehr zu machen, sollen wir uns rüsten in Glaubensstärke, festigen in der Lehre, Anvertrautes mehren, Empfangenes weitergeben. Die eigentliche Sünde ist Unglaube, Mangel an rechter Erkenntnis oder Nachlässigkeit. Verlasse dich auf dein Gut-Werden durch Gnade, das ist Lut.s theologischer Kern.Er hält die tiefenentlastende Beichte hoch, bittere Wahrheit ohne Trost und Zuspruch lässt uns verzweifeln, doch Gnade ist größer als die Sünde.Die miteinander kämpfenden Urprinzipien sind nicht gleichwertig, Gott ist verborgen und offenbarend, seine Güte offenbart sich dem verzweifelten Menschen einen Türspalt breit in Christus. Sein Wille als natürliche Wirkungsmacht geschieht. Es ist die höchste Glaubensstufe, zu glauben, er ist gnädig, der so wenige rettet, es wäre kein Glaube nötig, verstünde ich, wiie Gott barmherzig sein kann, der so viel Zorn an den Tag legt. Man sollte fürwahr Gottes Worten glauben, dessen Werke unerforschlich sind. Dem Guten gehts schlecht, dem Gottlosen gut, so bringt es der Lauf der Welt, doch diese scheinbare Ungerechtigkeit wird überaus leicht durch das Evangeliumslicht aufgehoben.Ignoriere den Teufel wie einen bellenden Hund, keine Gewissensfummelei, spiel dem Herrn ein Lied bis die Gedanken vergehen wie es David und Elisäus taten. In die seelische Tiefenschicht dringende Musik befreit,"...tobe die Welt und springe, ich stehe hier und singe...", der Trübsinnsteufel flieht vor der musica aufs Weiteste.In schwerer Krankheit, Anfechtung und seelischer Bedrückung schreibt Lut. u.v.a. das Lied "Eine feste Burg ist unser Gott": Christus streitet für uns. Der Hilfesuchende wird angstfrei in einem verständnisvollen Gegenüber und findet einen Weg, sich der schmerzlichen, aber aufrichtenden Wahrheit zu stellen. Teufel umschreibt, was durcheinanderbringt, niederdrückt und in Sackgassen führt. Und inmitten der Menschenbruder Jesus: Ihr Belasteten, kommt her, ich will euch beleben.Platz 1Freund Philipp Melanchton: Zum Dialog geborenLut. und Melanchton (Mel.) werden an die neue von Mel. humanistisch-reformierte Wittenberger Uni berufen, finden schnell zueinander im dialogischen Ringen, fördern die Kunst des Dialogs als Welt-, Selbst- und Gotteserkenntnis aus Vorgegebenem und Erlebten. Gott kam zu den Menschen, sich freundlich mit ihnen zu unterhalten, so könnte Mel.s verborgener Kerngedanke lauten. So hütet er seine Studenten, freundlich aber nicht ohne Strenge (Anm.: gutes Erziehungsmotiv), löst Konflikte diplomatischer, Dialog soll erholsam sein, frohgemut, rücksichtsvoll, ohne Rechthaberei (und Linkshaberei), in Freundschaft das Wohl des anderen suchend. Leider frisst er auch gegenüber seinen Gegnern viel Vergeblichkeit in sich hinein in geisttötender theologischer Zänkerei.Am 1.Kor.13 liegt ihm alles: Liebe, langmütig und freundlich, freut sich an der Wahrheit, die jetzt noch Stückwerk ist, doch dann werde ich erkennen, wie ich erkannt bin, erkennen, warum wir so und nicht anders geschaffen sind.Gelegentlich ermüdet ihn auch die Halsstarrigkeit seiner Freunde, rechthaberische Prinzipienreiter, die mit Streitwagen in die Schlacht ziehen, statt mit gedanklichem Florett zu bestehen. Am liebsten ist ihm der wahrheits- und klarheitsbestrebte Lehr- und Lerndialog, der Dinge Wesen methodisch zu erforschen. Bildung trägt zur Menschwerdung bei und zum Frieden.Seine feine Diplomatie schätzt Lut., der zuweilen mit dem Kopf durch die Wand will, Mel. hingegen sucht eine Tür für beide Streiter. Lut.s hinderliche Schmähsätze gegen das Papsttum müht er sich zu umgehen mit den Folgen im Blick. Zwar bleibt er im Grundlegendem hart, versteht es aber, aus Feinden Freunde der Wahrheit zu machen.Sieht das Aufruhr bringende Übel voraus durch die falsch aufgefasste Sache, ahnt, was im 30 jährigen Krieg passieren wird wie E. v. Rotterdam, der meint, zu viele seien der ev. Lauterkeit bar, und er müsse es ausbaden.E. v. Rotterdam schreibt Mel., manchen gefällt nichts Überkommenes mehr... Du bist befähigt, das Begonnene evangeliumswürdig abzuschließen. Mel. erläutert, wir sind zum Dialog geboren, nicht nur um Liebesgeschichten wegen, Wetteiferei oder Kaufverträge, nein, um uns über Grundlegendes und Aufgaben zu unterrichten. Wohlgesonnen üben wir uns in der Erklärkunst und am Zuhören mit Lust und Neugier. Sollten Getrenntes zusammenbringen, das Tun Gottes an uns sehen, unser Tun füreinander. Sich erkennen, sich lieben, im Austausch von Gedanken, Erkenntnissen und Gefühlen, wo sich weit mehr ausdrücken lässt als in Warentausch-Absprachen, wo nur Zählbares zählt, Geld gilt, Mehrwert Wert hat (Anm.: wow!).Erkenntnis wird gefährlich bei Grenzüberschreitung, listigen Fragen, Verantwortungsabschiebung: Der Erkenntnisapfel der Lüge mit unabsehbaren Folgen. Wie dächte Mel. heute etwa über Trump, Totalüberwachung, Gen-Manipulation, fortschreitende Unbildung, einer Einheit und Wahrheit zusammenbringenden Autorität oder gesellschaftlichen Konsens? Glaube ist Erleuchtung, Licht der Schöpfung, befreiende Wahrheit, erlösende Ewigkeit. Du kommst zum Licht.Mel. hält seinem Freund und Mitstreiter eine bewegende Trauerrede: Gott hat durch ihn wieder Licht in die verdunkelte Lehre gebracht. Er fand Rat in wirren Zeiten, wußte Gelerntes anzuwenden, ein Mann hohen Verstandes, erweckt, erwählt, den Kirchen aufzuhelfen, Dr. Martin Luther, der uns als Vater herzlich geliebet.Danach wird Mel.s liberales dialogisches Konzept von orthodoxen Lutheranern als "philippistisch" abgewertet. Doch ohne Mel.s Dialogbereitschaft wäre das Luthertum dogmatisiert.Zum Schluss eine Befragung Lut.s zum Reformationstag 2017 (Antworten in Zitaten)Was andere euch tun sollen, tut auch ihnen - Kämpft ihr gegen Unrecht, haltet die Fäuste stille - Gott zerstreut die Kriegslüsternen - Der Pöbel kennt kein Maß und ist selber tyrannisch, am besten werden sie von einem Tyrannen regiert - Wäre die Welt voller Christen, könnte man mit der Bergpredigt regieren - Den Vorteil des anderen suchen spart Hader und Streit - Wer mit Dreck rammelt, geht beschissen davon - Gottes Wort tastet die Welt an - Glaube ist der Stehfest des Herzens.