Read Der Existentialismus ist ein Humanismus: Und andere philosophische Essays 1943 - 1948 by Jean-Paul Sartre Online

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Kaum ein Text Sartres trug so sehr zur Verbreitung seines Denkens bei wie Der Existentialismus ist ein Humanismus , doch kaum einer war zugleich so vielen Mi verst ndnissen ausgesetzt Er geh rt zu den wenigen, von denen sich Sartre sp ter distanzierte Weiterhin enthalten Materialismus und Revolution , der Sartres Gegensatz zum zeitgen ssischen dogmatischen Marxismus bezeugt Eine ad quate Zusammenfassung seines damaligen Denkens, wie es in Das Sein und das Nichts seinen systematischen Ausdruck gefunden hat, bietet Sartres Vortrag Selbstbewu tsein und Selbsterkenntnis....

Title : Der Existentialismus ist ein Humanismus: Und andere philosophische Essays 1943 - 1948
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ISBN : 9783499227134
ISBN13 : 978-3499227134
Format Type : E-Book
Language : Deutsch
Publisher : Rowohlt Taschenbuch Auflage 6 Auflage August 2012 3 Januar 2000
Number of Pages : 333 Seiten
File Size : 772 KB
Status : Available For Download
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Der Existentialismus ist ein Humanismus: Und andere philosophische Essays 1943 - 1948 Reviews

  • Fabian B.
    2018-12-05 22:34

    Der vorliegende Sammelband enthält Aufsätze Sartres zu verschiedenen Themen, die allerdings alle mehr oder weniger seiner philosophoischen Denkrichtung, dem Existentialismus, nahestehen. Enthalten ist auch der bekannte Vortrag: "Der Existentialismus ist ein Humanismus", der die Idee dieser Denkrichtung recht ausführlich erläutert. Sartre wurde von Gegnern des Existentialismus immer wieder attackiert. Meist mit der Begründung, der Existentialismus sei eine menschenfeindliche Ideologie, eine Art abstoßender Nihilismus, vor dem die Menschen bewahrt werden müssten. Da prinzipiell auch atheistisch angelegt, waren auch kirchentreue Gesellen nicht begeistert von diesem Gedankengebäude. Sartre versucht, diese Einwände zu entkräften und dem Existentialismus ein humanistisches Gesicht zu geben. Das gelingt ihm eindrucksvoll. Der Existentialismus sieht gemäß Sartres Credo "Die Existenz kommt vor der Essenz" den Menschen als ohne Daseinsgrund nackt in die Welt geworfenes Geschöpf, das prinzipiell niemanden etwas schuldig ist und keine Aufgabe hat, die es sich nicht selbst stellt. Der Mensch als "Tier, das nicht passt" (Sloterdijek) hat nichts als seine blanke Existenz. Eine höhere Aufgabe gibt es nicht und kein Mensch ist a priori - im Gegensatz zu seinem Platz in einer bestehenden Gesellschaft - höher gestellt als ein anderer. Ausflüchte wie Konventionen, Neigungen und die Lebensgeschichte eines Menschen zählen nicht als Begründungen für Entscheidungen.Jedes Individuum muss in jedem Aufgenblick seines Lebens allein - d.h. mit allen Konsequenzen, die sich aus einer Entscheidung ergeben können - entscheiden; kein anderer Mensch, auch nicht der engste Vertraute, kann ihm das abnehmen. D.h. wenn jemand wahrhaft humanistisch handeln möchte, trägt er bei jeder Entscheidung, da er weiß, dass die anderen ebenso alleine sind und entscheiden müssen, die volle Verantwortung auch für die anderen. Entscheiden muss man allein, aber die Verantwortung für die anderen, die im selben Boot sitzen, hat man trotzdem. Diese Bürde ist die Last des Existentialismus, die Sartre beschreibt. Gleichzeitig gibt sie dem Menschen aber auch seine Würde. Als ohne Sinn geschaffene Wesen hat prinzipiell jeder Mensch die Fähigkeit, sich dem "Richtigen" und "Guten", was immer es für einen einzelnen Menschen bedeutet, zuzuwenden. Sartre sagt: "der Mensch, der sich engagiert und sich bewußt wird, daß er nicht nur jener ist, der zu sein er wählt, sondern auch ein Gesetzgeber, der mit sich die gesamte Menschheit wählt, dieser Mensch kann dem Gefühl seiner totalen und tiefen Verantwortung nicht entrinnen".Der Existentialismus sieht den Menschen als verantwortlich für sein Leben an. Biologische Erklärungsansätze für den Menschen werden abgelehnt, da deren Vertreter ebenso in die Existenz geworfene Individuuen sind, die für die anderen entscheiden müssen. Sartre sagt demensprechend, dass "jeder Mensch, der einen Determismus erfindet, unaufrichtig" sei. Jeder Mensch, der seine Leidenschaften vorschiebt und sein Verhalten damit begründet sei - in Sartres harten Worten - ein Feigling. Ein solches Menschenbild mag rau erscheinen, da es die Wahrheit über den Menschen bis zu einem gewissen Grad offen legt, wie Sartre meint: "...wenn der Existentialist jedoch einen Feigling beschreibt, sagt er, dieser Feigling ist für seine Feigheit verantwortlich". Der Mensch hat daher fast immer die Möglichkeit, zu scheitern, doch ist Scheitern etwas menschliches. So mag der Existentialismus nach Sartre anfangs zwar kühl und steinern wirken, doch im Angesicht dessen, dass der Mensch sich selbst wiederfinden und sich davon überzeugen müsse, "daß nichts ihn vor sich selbst retten kann, und sei es auch ein gültiger Beweis der Existenz Gottes", zeige er seine Würde, die er dem Menschen verleihe. Die weiteren Beiträge des Bandes beschäftigen sich mit dem Existentialismus nahestehenden Themen wie dem Cogito von Descartes, das quasi die Anfangsbedingung des Existentialismus beschreibt, "Selbstbewußtsein und Selbsterkenntnis" oder "Materialismus und Revolution". Als Einführung in den Existentialismus ist der Band gut geeignet, da in zwei Aufsätzen explizit auf die Frage eingegangen wird, was der Existentialismus denn nun sei und wie man ihn charakterisieren könne.

  • C.K.
    2018-11-17 02:49

    Der Sammelband, der philosophische Essays Sartres enthält, ist sehr geeignet für Anfänger, die einen Einstieg in den Existenzialismus wagen wollen.

  • Jérôme
    2018-11-18 22:27

    Es war der 28. Oktober 1945, als Sartre im Salle des Centraux seinen legendären Vortrag über die Klarstellung des Existentialismus hielt. Eine gewaltige Menschenmenge strömte herbei, in der Erwartung, die herbeigesehnten Erklärungen wie allgemeingültige Gesetze verkündet zu bekommen. Die Kasse wurde überrannt, Stühle brachen und eine unvorstellbare Hitze erfüllte den Saal, als Sartre sich nach 15 Minuten den Weg zum Pult gebahnt hatte und mit den Händen in den Hosentaschen seinen Vortrag begann. Die Intention, die dieser Rede zugrunde lag, war die Frage nach dem Wert des Humanismus zu beantworten, dessen Bestimmung aufgrund der grauenhaften Geschehnisse, wie sie durch den zweiten Weltkrieg verursacht wurden, fraglich geworden war.Es galt den Humanismus zu rehabilitieren bzw. neu zu definieren. Des Weiteren galt es umfangreiche Fehlinterpretationen, die über den Existentialismus in Umlauf gekommen waren, klarzustellen und seine negative Konnotation, die im Zusammenhang mit den Begriffen Pessimismus, Quietismus und Verzweiflung stand, zu korrigieren. Da sein erstes großes Hauptwerk „Das Sein und das Nichts“, in dem er auf 1000 Seiten seine Philosophie formulierte, zu terminologisch und abstrakt für die Popularisierung seiner Existenzphilosophie war, schraubte er das Niveau in seinem Vortrag so weit herunter, das er einprägsame Sätze wie „Die Existenz geht der Essenz voraus“ oder „Der Mensch ist nichts anderes als das, wozu er sich macht“, salonfähig machen konnte. Später bezeichnete er diese Absicht als Fehler, da viele Aspekte, seiner Ansicht nach als zu vereinfacht dargestellt wurden.Der geschichtliche Augenblick den Sartre wählte, um den Status humanistischer Werte zu bestimmen, da diese sich als äußerst zerbrechlich herausgestellt hatten, war zwar angebracht, jedoch rehabilitierte er diese nicht neu, sondern beseitigte gleich deren Existenz und verkündete, dass es sie nie gegeben habe. Wertvorstellungen wie Solidarität, Freiheit und Gerechtigkeit, stellen Sartre zufolge keine a priori feststehenden Bedingungen dar, sondern hängen von der subjektiven Realisierung ab, durch die wir sie in jeder Situation von neuem verwirklichen. Da Gott als Werteproduzent gestrichen wurde, liege es am Menschen die Werte neu zu erfinden bzw. auch über deren Gültigkeit zu entscheiden, so Sartre. Moralische Normen bestehen nicht als kollektive Gegebenheiten, sondern obliegen dem einzelnen Menschen, der erst durch seine Handlungen erkennen lässt, welche Werte in der Welt bestehen sollen.Der Mensch muss jedoch nicht nur die Werte erfinden, sondern auch sich und seinen Lebensentwurf. Als in die Welt geworfenes Lebewesen, muss der Mensch unentwegt darüber entscheiden, wer er sein möchte und sieht sich daher ständig in einer Situation, in der er über sich wählen muss. Der Mensch besitzt die Fähigkeit zur Transzendenz, also die Möglichkeit sich unablässig zu überschreiten und neu zu definieren. Sartre spricht auch von einem Riss im Sein, der es verhindert, dass wir eben nicht wie ein Stein von einer fertigen Wirklichkeit erfüllt werden, sondern immer wieder aus uns herausgetrieben werden, um uns zu bestimmen. Wir leben in einer ständigen Distanz zu uns selber, die es verhindert, unser Selbst gänzlich zu erreichen und stattdessen uns immer wieder von uns losreißt, wie es Sartre in „das Sein und das Nichts“ aufzeigt. Es gibt kein auffindbares „Sich“, das dem Menschen seinen Persönlichkeitskern aufzeigen und ihm ein Kellner-Sein, ein Arzt-Sein oder dergleichen offenbaren könnte. Wir können nur durch unsere Freiheit danach streben uns dieser sich kontinuierlich entfernenden Idealität immer wieder anzugleichen. Eine Übereinstimmung kann uns jedoch nie gelingen. Sartre spricht hierbei von „Unaufrichtigkeit“, um zu verdeutlichen, dass der Mensch ständig in der Verpflichtung ist, sich ein Sein zu verleihen, nur um es im nächsten Augenblick wieder zu verlieren.Die Existenz geht also der Essenz voraus, eine Klarstellung, die lange Zeit in der Geschichte als unmöglich gehalten wurde. Was einstmals Gott festlegte, liegt nun in den „zur Freiheit verurteilten Menschen“, Doch verträgt der Mensch überhaupt so viel Macht und fühlt er sich nicht vielmehr hoffnungslos überfordert? Bedarf es eine Theorie, die den Menschen als Angst, Verlassenheit und Einsamkeit definiert? Nach Sartre verbleibt dem Menschen keine andere Wahl, da mit dem Ausschalten der Hypothese Gottes auch die hoffnungsverleihende Sinngebung beseitigt wurde. Gabriel Marcel, ein Vertreter des christlichen Existentialismus war diese Ansicht zu radikal und wollte der Autonomie des einzelnen Menschen, durch die Liebe und dem menschlichen Miteinander mehr Hoffnung verleihen.Doch warum ist der Existentialismus ein Humanismus? Sartre geht es um den Umstand, das das menschliche Sein etwas fortlaufend zu erschaffendes sei. Als alleiniger Gesetzgeber kann der Mensch sich nur dadurch zur Existenz erheben, indem er sich durch die Verwirklichung von Handlungen realisiert. Der Mensch kann demnach nicht als ein Endzweck betrachtet werden, da er sich durch zweckorientiertes Handeln in jeder Situation wieder hervorbringen muss. Weiterhin trägt der Mensch nicht nur für seine Handlungen die Verantwortung, sondern darüberhinaus muss er sich bewusst sein, dass er durch seine getroffene Wahl die Menschheit mitengagiert.Neu waren Sartres Ansichten nicht. Schon Sören Kierkegaard machte die Angst als eine Grundbefindlichkeit des Menschen aus und auch Martin Heidegger stellte den Menschen als ein kontingentes Lebewesen dar, das sich der Angst geschickt zu verbergen gelernt hat, indem er sich an die Strukturen der Welt verliert. Auch sollte Heidegger mit seinem berühmten „Brief über den Humanismus“ sich indirekt wenige Jahre später auf Sartre und seine Ansichten beziehen. Faszinierend wird Sartres Konzept des Existentialismus auch weiterhin bleiben und auch die vielen Missverständnisse werden wohl weiterhin präsent bleiben, da sich der Universitätsbetrieb mittlerweile von den existentiellen Grundfragen weitestgehend verabschiedet hat.