Read Mit Feuer und Schwert: Wie Christen heute im Nahen Osten verfolgt werden by Hans-Joachim Löwer Online

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h1 Tod im Namen der Religion Hassparolen an Klostermauern, Brandanschl ge auf Kirchen, Menschenhatz auf offener Stra e Die Christen im Nahen Osten erleben eine blutige Zeit Fanatische Islamisten, aber auch extremistische Juden haben ihnen den Kampf angesagt Ausgerechnet in der Region ihres Ursprungs ist eine zweitausendj hrige Kultur vom Untergang bedroht Drei Monate lang recherchierte Hans Joachim L wer an den Fronten des derzeit gr ten Konfliktherds der Welt, von der T rkei ber Syrien bis nach gypten Er traf einen gefolterten Priester, traumatisierte Fl chtlinge und M nche, aber auch Christen, die mit Waffen um ihr berleben k mpfen Doch es gibt nicht nur Hass Der Autor entdeckte auch erstaunliche Projekte interreligi ser Zusammenarbeit, die aller Gewalt trotzen und Hoffnung f r eine friedlichere Zukunft geben Aus dem Inhalt Vakifli T rkei Wie das letzte Armenierdorf mit seiner Geschichte umgeht Wadi Natroun gypten Wie koptische M nche mit ihren muslimischen Nachbarn leben Maala Syrien Wo ein Pilgerort zum Schlachtfeld wird Sinya Irak Wie eine christliche Familie sechs Monate unter dem Islamischen Staat bersteht Jerusalem Israel Wie radikale Kr fte auf Kirchenm nner losgehen Bethlehem Pal stina Weshalb Christen den Geburtsort Jesu verlassen u.v.m....

Title : Mit Feuer und Schwert: Wie Christen heute im Nahen Osten verfolgt werden
Author :
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ISBN : 3222135347
ISBN13 : 978-3222135347
Format Type : Paperback
Language : Deutsch
Publisher : Styria Premium Auflage 1 27 Juli 2016
Number of Pages : 493 Pages
File Size : 862 KB
Status : Available For Download
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Mit Feuer und Schwert: Wie Christen heute im Nahen Osten verfolgt werden Reviews

  • Mario Pf.
    2018-12-18 15:41

    Schon für die Recherchen zu seinem Werk DIE STUNDE DER KURDEN reiste der Journalist und Schriftsteller Hans-Joachim Löwer an die Front des Syrischen Bürgerkriegs, doch für MIT FEUER UND SCHWERT hat er von September bis Dezember 2015 gleich sechs verschiedene Länder des Nahen Ostens besucht, um nach den Kurden, den versprengten Resten des orientalischen Christentums nachzuspüren. Das Ergebnis dieser mehrmonatigen Recherchen umfasst nun 30 Kapitel, die dem Bild einer Reisereportage entsprechen. In MIT FEUER UND SCHWERT spannt Löwer den Bogen vom letzten armenischen Dorf in der Türkei bis zur Lebensgeschichte der zum Christentum bekehrten Tochter eines schiitischen Scheichs im Libanon. Die zusammengetragenen Lebensgeschichten, die besuchten Schicksalsorte und die dargestellten Ereignisse schaffen eine Panorama mit sehr unterschiedlichen Lebenswelten, von Hoffnungslosigkeit bis zu fragilen Hoffnungen auf eine bessere Zukunft. In kleinen Fakten-Boxen zu den jeweiligen Kapiteln wird man überdies über die verschiedenen Volksgruppen, Glaubensströmungen und politischen Gruppierungen in den vom Autor bereisten Ländern aufgeklärt.Wie der Autor bereits im Vorwort betont hat er sich auf seiner Reise nicht an professionelle Volksgruppenvertreter oder politische Akteure gewandt, sondern weitgehend normale Menschen aufgesucht, die nicht für Interviews mit einem reisenden Journalisten gezielt trainiert oder vorbereitet wurden. Somit klingen manche der Äußerungen durchaus auch ungeschönt und geben einen Einblick in die Welt des Denkens orientalischer Christen zwischen korrupten Regimen und Islamismus. So sind die nach Kurdistan geflüchteten Assyrer durchaus gespalten, was die Frage betrifft nach Europa auszuwandern oder für ihre Heimat zu kämpfen. Sie sind eine der ältesten Volksgruppen des Nahen Ostens überhaupt und so verwundert es nicht Statements wie das folgende zu lesen: "Ich habe eine Einladung von meiner Schwester bekommen, die seit 1991 in Berlin lebt. Ich habe klar und deutlich Nein gesagt. Was soll ich in Berlin? Wenn wir Assyrer alle nach Europa gehen – wer soll dann unsere Heimat verteidigen? Dieses Land ist seit zwei Jahrtausenden von Christen besiedelt. Das geben wir doch nicht einfach auf!" Zugleich geben sich andere Assyrer wiederum deutlich weniger kämpferisch: „Ja, wir möchten im Grunde alle dorthin. Alle im Dorf, ohne Ausnahme. Ich sage Ihnen, alle Christen im Irak wollen nach Europa.“ Während die einen auf Seiten der kurdischen peshmerga gegen den Islamischen Staat zu Felde ziehen sehnen sich die anderen nach einem Weg auszuwandern.Dass die Christen des Nahen Ostens nicht erst kürzlich ins Kreuzfeuer geraten sind wird einem an Beispielen wie in den Kapiteln über Wadi Natrun (Ägypten) oder Ba'ram (Israel) deutlich. Das koptische Kloster in Wadi Natrun weckt wegen seiner erfolgreichen Landwirtschaft zweifellos Begehrlichkeiten in den weniger erfolgreichen muslimischen Nachbardörfern und die Geschichte der Klostergemeinschaft, die schon einige Überfälle durch Beduinen oder Nachbardörfer erfasst hat, drängt den Mönchen die Vorstellung geradezu auf, dass sich dieser Teil ihrer Ordensgeschichte wiederholen wird. Der wirtschaftliche Erfolg der christlichen Minderheit in einigen nahöstlichen Staaten wird vor allem von Seiten der ägyptischen Kopten hin und wieder als Problem betrachtet, da sie sich so zu einer Zielscheibe für extremistische Politiker machen. Selbst die in einem Vorort Kairos ansässigen koptischen Müllsammlerfamilien sind von Angriffen durch missgünstige Nachbarn oder aus der Ferne in ihre Viertel gelotste Mobs nicht ausgeschlossen. Ein gänzlich anderes Beispiel ist das Dorf Ba'ram in Israel, das zwar völlig verlassen, obwohl hier weiterhin jeden Samstag um 11 Uhr eine Messe gefeiert wird. Diese Situation ist das Ergebnis einer Zwangsumsiedlung maronitischer Christen nach 1948, die wegen Kompetenzstreitigkeiten in der Verwaltung des jungen Israel und aufgrund ihrer Eigenschaft als "Araber" unter die Räder der israelischen Bürokratie kamen. Ihr Land wurde ihnen entzogen, der Ort vom Militär zerstört und trotz der Rechtmäßigkeit ihres Anliegens wird ihnen die Rückkehr bis heute verweigert, um nur ja keinen Präzedenzfall zu schaffen. Vielleicht wird einem bei solchen Beispielen deutlich, dass sich Hans-Joachim Löwers Buch nicht einfach auf politische Schlagwörter herunterbrechen lässt. Pogrome, die Verfolgung von Minderheiten, bürokratische Gemeinheiten, Misstrauen gegenüber wirtschaftlich erfolgreichen Minderheiten - all das ist der europäischen Geschichte ja eigentlich nicht fremd.Interessant ist daher auch Löwers Besuch von Jerusalem, wo radikalisierte Gruppierungen aus dem Umfeld der Siedlerbewegung (in Europa könnte man sie wohl genauso als rechtsextrem bezeichnen wie einen Großteil der Islamisten) Kirchen beschmieren, Priester bedrohen und Brandanschläge verüben. Ludger Bornemann, der Leiter des Pilgerhauses am See Genezareth, beschreibt das Judentum oder den Islam der jungen Radikalen etwa gleich als eine "reine Selfmade-Religion", die "eine große Ideologie über ihre geistige Leere" setze. Dazu lässt der Autor auch Pater Nikodemus zu Wort kommen, den Autor von ZUHAUSE IM NIEMANDSLAND: "Die Gewalttäter haben so viel mit Religion zu tun wie ein Hooligan mit dem Fußballspiel“ Die jungen jüdischen Fanatiker, um die es in diesem Kapitel geht, seien nicht auf der Suche nach Gott, sondern einer Identität. Und in den jüdischen Siedlergebieten warten radikale Rabbiner auf sie, die sich in Hassprediger-Manier die dortige Frontstimmung zu Nutze machen. Es herrscht eine hochgradig explosive Stimmung und die Terroristen von morgen werden in Koranschulen, sowie Tora- und Talmudschulen erzogen. Diese Analyse lässt sich wohl auch genauso auf die bewaffneten Anhänger des Islamismus übertragen.Interessant, weil historisch bristant, ist auch Löwers Reise nach Diyarbakir, bei der er die Spuren der Krypto-Armenier nachverfolgt. Mit diesem Thema alleine, wie auch vielen anderen, ließe sich wohl schon ein eigenes Buch füllen. Unterm Strich ist MIT FEUER UND SCHWERT also trotz allem auch ein Sammelsurium mit einer sehr vielschichtigen Themenauswahl. Über so manches Thema würde man vielleicht gerne mehr lesen, doch dann geht die Reise schon weiter und man befindet sich im nächsten Kapitel. Man kann das Werk daher jedoch auch als breit gefächert betrachten, es zeigt einem wirklich ein Kaleidoskop an sehr unterschiedlichen Lebenswelten, die nur dadurch verbunden sind, dass ihre Protagonisten einer der unzähligen christlichen Glaubensströmungen angehören.Fazit:Eine sehr facettenreiche Reise zu den verbliebenen Christen des Nahen Ostens.[Diese Rezension basiert auf einem kostenfreien Rezensionsexemplar]

  • Honeybal Lektor
    2018-12-26 10:41

    Hans-Joachim Löwers Reportage liefert ein sehr aktuelles und ernüchterndes bis erschreckendes Bild von der Lage der vielen kleinen christlichen Minderheiten in den Ländern des Nahen Ostens. Für dieses Buch hat er Ende 2015 mehrere Monate im Irak und Libanon, in Syrien, Israel und Ägypten, in der Türkei sowie in den Pälestinensergebieten recherchiert. Dabei kommen unter anderem Angehörige der christlichen Minderheiten der Armenier, Kopten, Aramäer, Chaldäer oder Assyrer zu Wort und schildern ihre tragischen Schicksale, die eine dauerhafte Zukunft der christlichen Minoritäten in den Ländern des Nahen Ostens als ziemlich unwahrscheinlich erscheinen lassen.Evident wird eine ausnahmslos in allen muslimischen Ländern eindeutig belegbare absolute Intoleranz gegenüber religiösen Minderheiten die sich im täglichen Leben in Diskriminierungen aller Art, Drohungen, Enteignungen und Demütigungen niederschlägt und bis hin zu Brandstiftung, Plünderung, Gewalt, Folter und Mord reicht.Die Zahl der vertriebenen Christen in den letzten Jahren und die zahlreichen zerstörten und/oder verlassenen Kultstätten belegen zudem eindeutig, dass es sich hierbei um keine Einzelfälle handelt, sondern um die systematische Vertreibung und kulturelle Auslöschung religiöser Minderheiten in den muslimischen Staaten des Nahen Ostens. Aber auch aus Israel liefert der Autor erschreckende Recherchergebnisse, weil hier plästinensische Christen verstärkt in das Fadenkreuz sowohl von jüdischen Extremisten, als auch von muslimischen Fanatikern geraten und sich ihre ohnehin schon komplizierten Lebensumstände noch weiter erschweren.Das Buch belegt sehr deutlich, wie sehr sich die Staaten des Nahen Ostens in einer Abwärtsspirale aus Intoleranz, Hass und Gewalt befinden und wie sehr gerade ethnische und religiöse Minderheiten unter dem Allmachtswahn der muslimischen Mehrheiten zu leiden haben und es wäre nur zu wünschen, dass eine Aufklärungs- und Reformationsbewegung im Islam den religiösen Eiferern und Extremisten in Zukunft bald den Wind aus den Segeln nehmen wird, auch wenn ich die Aussichten darauf momentan als sehr schlecht sehe.Das Buch liefert aber immer wieder auch beeindruckende Beispiele von Hilfsbereitschaft und vorurteilsfreier Kommunikation zwischen den Konfessionen und auch beeindruckende Belege für unglaublichen persönlichen Mut und feste Glaubensüberzeugungen im positiven Sinne, die den Angehörigen der christlichen Minderheiten dabei helfen, ihre Leben in einer extrem schwierigen und feindseeligen Umgebung zu meistern.Es wäre nur zu wünschen, dass sich die westlichen Staaten endlich wieder ihrer politischen und auch moralischen Verantwortung bewusst würden und die ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln dazu nutzen würden, um den verfolgten Minderheiten zu helfen und spürbaren Druck auf die diktatorischen Machthaber im Nahen Osten auszuüben, um diese systematische Diskriminierung von Minderheiten aller Art zu stoppen.Ein sehr interessantes und lesenswertes Buch mit vielen Schicksalen, die betroffen und wütend zugleich machen und das ein ungeschminktes Bild vom Leben christlicher Minderheiten in den Staaten des Nahen Ostens zeichnet. Der Autor bringt es passend auf den Punkt: „Die Fakten die ich zusammengetragen habe, mögen nicht jedermann gefallen. Das ändert aber nichts daran, dass es Fakten sind. Und ich meine allerdings schon, dass man nicht die Fakten seinem Weltbild, sondern sein Weltbild den Fakten anpassen muss.“ (S. 9)